Zecken sind längst nicht nur im Sommer aktiv
Mit den ersten warmen Tagen beginnt traditionell die Zeckensaison. Aufgrund der zunehmend milden Winter sind Zecken jedoch heute oft bereits im zeitigen Frühjahr und teilweise sogar während der Wintermonate aktiv. Schon bei Bodentemperaturen von etwa 7 °C können sie auf Nahrungssuche gehen. Dadurch verlängert sich das Risiko für einen Zeckenstich und die Übertragung von Krankheitserregern deutlich.
Neben der Lyme-Borreliose können Zecken die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen – eine Virusinfektion, die das Gehirn, die Hirnhäute und das Rückenmark befallen kann. Im Gegensatz zur Borreliose gibt es gegen FSME keine ursächliche Behandlung. Die wirksamste Vorsorgemaßnahme ist daher die Schutzimpfung.
Wer sollte sich gegen FSME impfen lassen?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung insbesondere für Menschen, die in einem FSME-Risikogebiet leben oder sich dort regelmäßig im Freien aufhalten.
Dazu gehören beispielsweise:
- Menschen, die in einem FSME-Risikogebiet wohnen
- Wanderer, Radfahrer und Freizeitsportler
- Gartenbesitzer sowie Personen, die viel Zeit in Parks oder Wäldern verbringen
- Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft
- Jäger sowie Einsatzkräfte im Freien
- Reisende in nationale oder internationale FSME-Risikogebiete
Auch Kinder können ab dem empfohlenen Alter gegen FSME geimpft werden, wenn sie einem entsprechenden Expositionsrisiko ausgesetzt sind.
FSME-Risikogebiete nehmen zu
In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der ausgewiesenen FSME-Risikogebiete kontinuierlich erhöht. Neben vielen Regionen in Süddeutschland sind inzwischen auch weitere Landkreise in anderen Bundesländern betroffen. Durch den Klimawandel und mildere Winter verlängert sich die Aktivitätszeit der Zecken, wodurch das Infektionsrisiko über einen größeren Teil des Jahres bestehen kann.
Ob Ihr Wohnort oder Ihr Reiseziel zu einem aktuellen Risikogebiet gehört, beraten wir Sie gerne im persönlichen Gespräch.
So schützt die FSME-Impfung
Die FSME-Impfung regt das Immunsystem an, schützende Antikörper gegen das FSME-Virus zu bilden. Für einen vollständigen Grundschutz sind mehrere Impfungen erforderlich. Anschließend wird der Impfschutz durch regelmäßige Auffrischungsimpfungen aufrechterhalten.
Idealerweise beginnt die Impfserie vor Beginn der Zeckensaison. Ein späterer Impfstart ist jedoch ebenfalls möglich. Bei kurzfristigem Schutzbedarf stehen zudem beschleunigte Impfschemata zur Verfügung.
Zusätzlicher Schutz vor Zeckenstichen
Auch geimpfte Personen sollten Zeckenstiche möglichst vermeiden. Empfehlenswert sind:
- lange Kleidung und festes Schuhwerk bei Aufenthalten im Grünen
- zeckenabweisende Insektenschutzmittel
- das Meiden von hohem Gras und dichtem Unterholz
- gründliches Absuchen des Körpers nach Aufenthalten im Freien
- rasches Entfernen festgesaugter Zecken
Diese Maßnahmen senken nicht nur das Risiko einer FSME-Infektion, sondern helfen auch, einer Borreliose vorzubeugen.
FSME-Impfung in unserer Praxis
In unserer Praxis beraten wir Sie individuell zur FSME-Impfung und prüfen Ihren bestehenden Impfstatus. Gemeinsam besprechen wir, ob aufgrund Ihres Wohnortes, Ihrer Freizeitaktivitäten oder geplanter Reisen eine Impfung empfohlen wird.
Wir führen sowohl Grundimmunisierungen als auch Auffrischungsimpfungen durch und informieren Sie über den optimalen Impfzeitpunkt. Gerne überprüfen wir bei Ihrem Termin auch Ihren gesamten Impfpass und beraten Sie zu weiteren empfohlenen Schutzimpfungen.
FSME-Risikogebiete – warum die Karte nicht die ganze Realität zeigt
Die meisten offiziell ausgewiesenen FSME-Risikogebiete liegen derzeit in Süddeutschland, insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg. In den vergangenen Jahren kamen jedoch zunehmend Landkreise in Hessen, Thüringen, Sachsen, Niedersachsen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und weiteren Bundesländern hinzu.
Gleichzeitig zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass FSME-infizierte Zecken grundsätzlich in ganz Deutschland vorkommen können. Einzelne mit dem Virus infizierte Zecken oder kleinere lokale Vorkommen bedeuten jedoch nicht automatisch, dass eine Region als offizielles FSME-Risikogebiet gilt.
Das Robert Koch-Institut (RKI) weist einen Landkreis erst dann als FSME-Risikogebiet aus, wenn dort über mehrere Jahre hinweg eine bestimmte Häufigkeit von FSME-Erkrankungen beim Menschen festgestellt wird. Grundlage der Einstufung ist somit das tatsächliche Erkrankungsrisiko in der Bevölkerung und nicht allein der Nachweis infizierter Zecken.
Für Menschen, die sich regelmäßig im Freien aufhalten, bedeutet dies: Auch außerhalb offiziell ausgewiesener Risikogebiete lässt sich ein Kontakt mit FSME-infizierten Zecken nicht vollständig ausschließen. Insbesondere durch den Klimawandel und zunehmend milde Winter verlängert sich die Aktivitätszeit der Zecken, und ihre Verbreitung verändert sich kontinuierlich.
Ob eine FSME-Impfung für Sie sinnvoll ist, hängt daher nicht nur vom Wohnort ab. Auch berufliche Tätigkeit, Freizeitaktivitäten, Reisen sowie ein häufiger Aufenthalt in Wäldern, Parks oder hohem Gras sollten bei der Impfentscheidung berücksichtigt werden. Wir beraten Sie hierzu individuell anhand der aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der jeweils geltenden Risikobewertung.